BERLIN - Berlin-Spandau, Hinterhof einer ehemaligen Kaserne. In einer schummrigen Lagerhalle, zwischen rostigen Autos mit polnischen Kennzeichen stapeln sich 126 Kunststoffpakete, groß wie Heuballen.
Überall sind die Verpackungen aufgerissen, aus den Öffnungen quellen Plastiktüten, darin befinden sich Sportjacken, Jeans, Handschuhe. Auf den Etiketten sind die Namen bekannter Markenhersteller zu lesen. Sechs Tonnen wiegen die Kleidungsstücke insgesamt, und sie haben einen entscheidenden Makel – es handelt sich um Fälschungen. Vor wenigen Tagen fiel dem Zoll die Lieferung am Berliner Flughafen Tegel in die Hände.
„Dies ist einer der bemerkenswertesten Aufgriffe von Plagiaten im Berliner Luftverkehr seit Jahren“, sagte Detlef Szesny, Pressesprecher des für die Berliner Flughäfen zuständigen Hauptzollamts Potsdam. „Beim Großteil der Ware handelte es sich um Plagiate von Sportbekleidung der Marken Adidas und Nike“, so Szesny. Zudem seien gefälschte Jeans, Handschuhe und T-Shirts der Marke Armani sichergestellt worden. Die Hersteller weiterer Marken, die gefunden wurden, seien an einer Verfolgung der Fälscher und an einer Veröffentlichung nicht interessiert.
Verdächtige Frachtpapiere hatten die Zöllner auf die Spur der Markenpiraterie geführt. Die Prüfung der Papiere sei Teil der Risikoanalyse beim Zoll, geprüft werden dabei auch die Glaubwürdigkeit des Abnehmers und die Transportroute. „Finden wir Markenlabels auf anderen Vertriebswegen als den bekannten, werden wir misstrauisch“, so Szesny. Die Warensendung aus China sollte mit einem litauischen Lkw nach Finnland gefahren werden – Grund genug, genauer hinzuschauen. Zudem seien Jacken, Handschuhe, Jeans und Pullover quadratisch gepresst und mit Kunststofffolie umwickelt gewesen – laut Szesny eine für Markenware eher untypische Verpackungsweise. Jeden der 126 Ballen schnitten die Zöllner auf, um den Verdacht zu bestätigen.
„Bereits nach dem Öffnen des ersten Ballens fanden die Zollbeamten gefälschte Jacken“, berichtet der Sprecher. „Minderwertig verarbeitet und minderwertig verpackt“ sei die Ware gewesen. Erkannt habe man die Plagiate zudem an verfälschten Namenszügen sowie falsch angebrachten Etiketten und Einnähern. „Wir verfügen über Vorlagen der Markenproduzenten, mit denen wir die Echtheit überprüfen können“, sagte Szesny. Umgehend habe man die betroffenen Rechteinhaber informiert. Nachdem einige Original-Hersteller den Verdacht auf Fälschungen bestätigt hätten, habe man rund sechs der insgesamt über zehn Tonnen umfassenden Warensendung beschlagnahmt.
Keine Informationen habe man darüber, wie viele Plagiate vom Flughafen Tegel nach Brandenburg und Berlin eingeführt werden. „Was wir finden, ist meist nicht für den hiesigen Bereich bestimmt“, sagte Szesny. „Wir vermuten aber, dass gefälschte Kleidung vor allem auf Märkten im grenznahen Bereich zu Polen und Tschechien verkauft wird.“
Auf den Importeur der beschlagnahmten Plagiate warte nun statt eines saftigen Gewinns ein Gerichtsverfahren, das die Anwälte der geschädigten Unternehmen anstrengen werden. Für die Fälschungen wird die Spandauer Lagerhalle der vorletzte Stopp auf ihrer Reise aus Fernost bleiben. „Die Markenproduzenten sorgen dafür, dass die Textilien vernichtet werden“, sagt Szesny. „Entweder werden sie geschreddert oder verbrannt.“







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